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Wolfsburg, 28.01.2021

Corona


Wie die Krise Unternehmer fordert: Das Beispiel der Bäckerei Cadera


Das IMW Mitgliedsunternehmen "Cadera GmbH & Co. KG" ist die älteste Bäckerei Wolfsburgs. Das Traditionsunternehmen wurde im Sommer 2018 von der Familie Wolf-Doettinchem übernommen, hat 21 Filialen und rund 240 Mitarbeitende. Imke Wolf-Doettinchem ist eine von drei geschäftsführenden Gesellschaftern des Unternehmens und Leiterin der IMW-Geschäftsstelle Hanse in Hamburg. Lesen Sie hier den O-Ton einer engagierten Unternehmerin:

Als Bäckerei gehören wir nicht zu den Branchen, die am härtesten von der Corona-Krise getroffen sind – selbst im harten Lockdown im Frühjahr mussten wir zwar die Café-Bereiche schließen, konnten aber doch weiter über den Tresen verkaufen. So ist es auch jetzt wieder. Da aber dieses sogenannte „Gastro-Geschäft“ ein wichtiger Umsatzbringer ist, sind die Einbrüche schon erheblich. Dazu kommt die geringere Kundenfrequenz, weil viele Berufstätige im Homeoffice sind.

Und auch wir waren natürlich geschockt, als der Lockdown kam – auf eine solche Situation ist ja kein Unternehmen wirklich vorbereitet. Das Entscheidende ist aber, was nach dem ersten Schock kommt: Die unternehmerische Reaktion auf eine solche Krise. Für uns war ganz wichtig, schnell handlungsfähig zu werden und etwas zu tun. Denn damit fühlt man sich gleich besser: nicht mehr ohnmächtig und ausgeliefert, sondern als Herr oder Frau der Lage – jedenfalls im eigenen Einflussbereich.

So haben wir sofort einen „Krisenstab“ zusammengestellt, bestehend aus Geschäftsführung und Führungskräften aus Produktion, Verkauf und Verwaltung. Zum Glück steuert dieses Gremium das Unternehmen auch in normalen Zeiten. So war hier nur die Form der Zusammenarbeit neu, nämlich online. Das war ungewohnt, hat aber ganz gut funktioniert – zumal es beim Krisenmanagement ja weniger auf den kreativen Austausch ankommt als auf Informationsvermittlung und schnelle Entscheidungen.

Wenn die Umsätze so plötzlich einbrechen, ist die wichtigste Frage: Wie halten wir das Unternehmen liquide? Niemand wusste ja zu Beginn des Lockdowns, wie lange mit Einschränkungen zu rechnen war – und wir wissen es bis heute nicht! Es galt also, schnell alle Möglichkeiten zu nutzen. Wir haben Zahlungen ausgesetzt, Stundungen vereinbart und Kurzarbeit beantragt. Für die staatlichen Soforthilfen ist unser Unternehmen zu groß, so blieb uns nur die Beantragung eines KfW-Kredites. Zum Glück haben wir ein sehr gutes Verhältnis zu unserer Bank - enger Kontakt zur Hausbank bewährt sich letztlich immer! Und wir haben zum Glück eine Unternehmensberatung an unserer Seite, die viele Unternehmen der Branche begleitet und so saßen wir schon am 26. März virtuell zusammen und haben die Unternehmensplanung 2020 auf Corona-Bedingungen umgestellt. Wenige Tage später war der Kreditantrag unterwegs – und wurde dann auch schnell genehmigt.

In einer solchen Situation bewährt sich auch das Netzwerk, das man sich als Unternehmen hoffentlich in guten Zeiten aufgebaut hat. Es war ja überall zu beobachten: Unternehmer, die anderen ihre Hilfe anboten, gemeinsame Initiativen von Stadt und Händlern und so weiter. Auch wir haben gleich mit zwei Kollegen-Betrieben in der Region Kontakt aufgenommen, um sicherzustellen, dass wir uns gegenseitig beliefern, sollte bei einem von uns die Produktion wegen Infektionen geschlossen werden. Ja, wir sind Wettbewerber und schenken uns nichts, aber man kann sich trotzdem gegenseitig helfen, wenn es nötig ist! Und wir haben einen Kreis von Kollegenbetrieben in ganz Deutschland, mit dem wir regelmäßig und strukturiert Erfahrungen austauschen. Auch mit ihnen waren wir regelmäßig online verbunden und haben Tipps und Erfahrungen ausgetauscht. Auch ein wichtiges Learning: Man braucht in solch einer Situation andere Unternehmer als Gesprächspartner, denen man vertrauen kann – und bei denen man auch mal seinen Frust ablassen kann!

Denn nicht nur finanzielle und praktische Dinge waren zu bedenken, auch menschliche. Die Unsicherheit bei den Mitarbeitenden war groß: Wie kann ich mich bei der Arbeit vor Ansteckung schützen? Muss ich den ganzen Tag einen Mund-Nasen-Schutz tragen? Wie geht das mit dem Kurzarbeitergeld? Und natürlich: Behalte ich meinen Arbeitsplatz? Für Unternehmer ist das eine schwierige Gratwanderung: Natürlich sollen alle wissen, dass die Lage ernst ist, aber es sollen auch alle motiviert bei der Arbeit bleiben und keine Angst haben. Und da haben wir als Unternehmer eine wichtige Vorbildfunktion: Wenn ich Sicherheit und Zuversicht ausstrahle, wird sich das auf die Mitarbeitenden übertragen. Niemand möchte in solch einer Zeit einen Chef haben, der panisch wirkt oder jammert. Gerade deshalb braucht man ja einen anderen Ort, wo man seinen Frust und seine Sorgen lassen kann. Wir haben in der Zeit viel mit Mitarbeitenden gesprochen, haben mehrere Video-Botschaften über das Intranet verbreitet und auch einen Film mit Erklärungen zur Kurzarbeit bereitgestellt.

Das Kurzarbeitergeld ist eine sehr gute Sache, um die Mitarbeiter zu halten, aber trotzdem die Kosten deutlich zu senken. Aber auf der anderen Seite müssen die Mitarbeitenden mit 60 oder 67 Prozent ihres Einkommens auskommen – für nicht sehr gut verdienende Bäckereiverkäuferinnen kann das zu großen Problemen führen! Aber auch hier kann man als Unternehmer ja tätig werden: Aufstocken des Kurzarbeitergeldes war bei uns nicht möglich, aber wir konnten bevorzugt Mitarbeitende aus der Kurzarbeit holen, die es besonders nötig haben, etwa Alleinerziehende. Im Familienunternehmen kennt man ja meist die persönlichen Verhältnisse der Mitarbeitenden. Und auch die steuer- und sozialversicherungsfreie Corona-Beihilfe war eine gute Möglichkeit, den Mitarbeitenden zusätzlich Geld zukommen zu lassen, ohne das Unternehmen zu stark zu belasten.

Im Frühsommer hatten wir dann alle schon Routine im Krisenmanagement und es trat immer mehr in den Hintergrund. Stattdessen haben wir uns wieder stärker auf unsere langfristigen Ziele konzentriert. Denn das passiert ja leicht: Vor lauter Anstrengung, die aktuelle Situation zu bewältigen, gerät die langfristige Perspektive aus dem Blick. Und wir haben festgestellt: Manch Vorhaben lässt sich in einer solchen Situation einfacher umsetzen als zu „normalen“ Zeiten. So stand innerhalb von fünf Tagen unser Online-Shop mit Lieferdienst, weil es nicht um perfekt ging, sondern um schnell. Den schon länger geplanten Vortagsladen haben wir einfach schnell eröffnet, auch ohne richtiges Kassensystem und ohne schon alle Eventualitäten durchdacht zu haben. Als Mehl und Hefe in den Geschäften knapp wurden, hatten wir beides nach zwei Tagen für unsere Kunden in den Läden. Diese Erfahrungen sprechen nicht gegen gute Planung, aber manchmal heißt es eben auch: Einfach mal machen! Und diese Erfahrung nehmen wir mit in die Zukunft. Ebenso die Erkenntnis: Weniger Umsatz heißt nicht automatisch weniger Rentabilität – jedenfalls nicht relativ betrachtet. Wir haben erkannt, wo bei uns noch Rentabilitätsreserven stecken und die werden wir in der nächsten Zeit heben.

Fazit: Diese Pandemie ist großer Mist und die Schäden noch gar nicht absehbar! Aber es hilft nichts, man muss als Unternehmer die Ärmel aufkrempeln, das Beste draus machen und aufmerksam die Chancen wahrnehmen, die es auch in solch einer Situation gibt.
 

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Wie die Krise Unternehmer fordert: Das Beispiel der Bäckerei Cadera
Fototermin aus dem Jahre 2018 anlässlich der feierlichen Staffelstabübergabe (v.l.n.r.): Imke und Hendrik Wolf-Doettinchem I Geschäftsführende Gesellschafter Cadera, Petronella Cadera, Ingmar Wolf-Doettinchem I Geschäftsführender Gesellschafter Cadera, Klaus Mohrs I Wolfsburger Oberbürgermeister, Claudia Kayser I Volksbank Braunschweig Wolfsburg

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