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Berlin, 05.05.2020

Die Krise als Chance


Mit Konjunkturprogrammen und klugen gesetzlichen Rahmenregelungen kann eine zügige Wiederbelebung der Wirtschaft gelingen


Das neuartige Corona-Virus hat die Weltwirtschaft zu einem schwerkranken Patienten gemacht, der intensivmedizinischer Betreuung bedarf. Auch Deutschland ist hart getroffen. Wie ernst die Folgen des wochenlangen Lockdowns wirklich sind, lässt sich aktuell nur schwer abschätzen. Wirtschaftsforscher sagen einen drastischen Konjunktureinbruch und die schwerste Rezession der Nachkriegsgeschichte voraus. Um zu alter Stärke zurückzufinden, müssen - um im Bild zu bleiben - kluge Reha-Maßnahmen ergriffen werden.

Wie derzeit alle maßgeblichen Wirtschaftsinstitute und -verbände, so verfolgt auch die IMW mit einer Mischung aus Sorge, aber auch großem Vertrauen in die Stärke der deutschen Wirtschaft die momentane Entwicklung. Fest steht, dass Bund und Länder in konjunkturpolitischer Hinsicht bislang bestmöglich agiert haben. Von den Soforthilfen und Unterstützungsmaßnahmen in Form von KfW-Krediten haben insbesondere die Solo-Selbständigen, Kleinstunternehmer und der Mittelstand profitiert. Zur Zeit klagen zahlreiche Antragsteller allerdings noch über Verzögerungen bei der Abwicklung der KfW-Kreditanträge. An diesem Punkt muss dringend nachgesteuert werden, um die Betriebe nicht in ihrer Existenz zu gefährden. Die Strategie des IMW-Vorstands, Probleme dieser Art sofort zu benennen und bei den zuständigen Stellen gezielt zu intervenieren, hat sich in den Wochen der Pandemie-Krise bewährt und trägt in erheblichem Umfang zur Nachbesserung bei den verschiedenen Nothilfeprogrammen und deren Umsetzung bei.  

Mit dem schrittweisen Hochfahren einzelner Wirtschaftsbereiche gilt es nun, die Zeit nach dem Lockdown in den Blick zu nehmen. Fest steht: Der Wiedereinstieg birgt große Chancen. Wenn es gelingt, die Unternehmen und den Arbeitsmarkt zu stabilisieren, Schwachstellen zu benennen und Offenheit für neue, kreative Lösungen zu erzeugen, kann die Krise zum Modernisierungsschub werden. IMW-Vorstand Susan Friedrich sieht die Bundesregierung in der Pflicht, ein umfassendes Konjunkturprogramm aufzulegen, um die Wirtschaftsleistung nach Aufhebung der Corona-Beschränkungen sicherzustellen, mahnt aber zugleich, die Staatsschulden fest im Blick zu behalten. Dringenden Handlungsbedarf sieht sie zudem beim Thema "Globalisierung". Die Engpässe bei Investitionsgütern bis hin zu medizinischer Schutzkleidung und Medikamenten verweisen, so Susan Friedrich, auf die Notwendigkeit, Produktionsprozesse zu überdenken und unabhängige Lieferketten innerhalb Europas sicherzustellen.

Optimierungsbedarf gibt es auch beim Thema Arbeitszeit. Das von Bundeswirtschaftsminister Altmaier angedachte Fitnessprogramm für die deutsche Wirtschaft wird sich auch daran messen lassen müssen, ob beispielsweise in Sachen Flexibilisierung Fortschritte gemacht werden. Dr. Thomas Jablonski ist Geschäftsführer der Wirtschaftsförderungsgesellschaft für den Kreis Viersen und des Technologie- und Gründerzentrums Niederrhein - seit vielen Jahren eine enge Kooperationspartnerin der IMW in Nordrhein-Westfalen. Der erfahrene Netzwerker zählt die Flexibilisierung der Arbeitszeit zu den Dingen, die über den Lockdown hinaus Bestand haben werden: "Die Arbeit vom Homeoffice war in den Wochen der Ausgangsbeschränkung oft anstrengend. Dennoch haben viele Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer die Erfahrung machen können, wie sich auf diese Weise schwierige Zeiten überbrücken lassen." 

Untrennbar damit verbunden ist der Dauerbrenner Digitalisierung. Die Corona-Krise wird die Verwendung und den Einsatz digitaler Anwendungen im Unternehmensalltag verstärken. Auch jenseits des Homeoffice haben im privaten wie im beruflichen Umfeld Video-Meetings über Wochen hinweg geschäftliche Sitzungen, aber auch Treffen im Freundeskreis bis hin zu digital abgehaltenen Sprechstunden möglich gemacht. In Zukunft dürften deshalb unter anderem die Genehmigungen von Dienstreisen deutlich geringer ausfallen. Das spart Zeit und auch die Umwelt profitiert.   

Ein wichtiger, bedenkenswerter Einwand kommt in diesem Zusammenhang von IMW-Mitglied Andreas Schulz. Der Chef der Luckauer Firma Spree Gerüstbau GmbH bestreitet nicht den Nutzen der Digitalisierung, zumal in Krisenzeiten, hebt aber hervor, dass die vielen Video-Konferenzen auch deutlich gezeigt hätten, wie unverzichtbar das direkte Gespräch ist. Andreas Schulz und seinem Unternehmen ist wie der Baubranche insgesamt durch die Corona-Krise kein größerer Schaden entstanden. Von entspanntem Zurücklehnen ist er dennoch weit entfernt, zu groß ist die Sorge hinsichtlich des Ausmaßes der Rezession. Der Staat hat so viel Geld in die Unterstützungsmaßnahmen für die notleidenden Unternehmen investiert und wird Steuermindereinnahmen verkraften müssen, dass, so befürchtet Andreas Schulz, möglicherweise die Zahl öffentlicher Aufträge zurückgeht.

Alles in allem sind die Zukunftsprognosen also verständlicherweise gemischt. Eher verhalten angesichts der zu befürchtenden drastischen Auswirkungen des Lockdowns auf die Wirtschaftsleistung und den Arbeitsmarkt, zugleich jedoch durchaus zuversichtlich angesichts der denkbaren Nachholeffekte in vielen Branchen, die in Kombination mit einem umfassenden Konjunkturprogramm einen Modernisierungsschub anstoßen können. Und nicht zuletzt speist sich die Zuversicht aus dem Wissen um das Potenzial der deutschen Wirtschaft insgesamt und des Mittelstands als ihrer wichtigsten Säule im Besonderen.

Die IMW wird den Prozess der schrittweisen Öffnung ebenso kritisch, aufmerksam und kompetent begleiten wie den Einstieg in den Lockdown. Krisenzeiten mahnen zum Zusammenhalt. Die IMW steht fest an der Seite ihrer Mitgliedsunternehmen, vertritt ihre Interessen und übt den Schulterschluss.

Wir sind für Sie da - bei Fragen bitte in der IMW-Bundesgeschäftsstelle melden unter: 030 - 240 47 87 10.

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Mit Konjunkturprogrammen und klugen gesetzlichen Rahmenregelungen kann eine zügige Wiederbelebung der Wirtschaft gelingen
Derzeit sind die Auftragsbücher der Baubranche voll. Doch sorgt sich Andreas Schulz, Geschäftsführer der Spree Gerüstbau GmbH, um einen möglichen Rückgang öffentlicher Aufträge durch Steuermindereinnahmen. Daher macht er sein Unternehmen weiter fit für die Zukunft.

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