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Berlin, 02.02.2021

Keine Goldlösung: Homeoffice auf dem Prüfstand


Jeder weiß es: Kontakte vermeiden, Mobilität drosseln: Das muss noch stärker gelingen, um die Corona-Ansteckungszahlen in den Griff zu bekommen. Bund und Länder appellieren deshalb immer dringlicher an die Bevölkerung. Bei ihrem letzten Treffen beschloss die Kanzlerin gemeinsam mit den Ministerpräsidenten der Länder eine Verordnung, die die UnternehmerInnen verpflichten soll, den Mitarbeitenden das Arbeiten von zu Hause zu ermöglichen. Bei IMW-Vorstand Susan Friedrich stößt eine ausdrücklich gesetzliche Verpflichtung auf Unverständnis: "Das mit der Homeoffice-Verordnung verbundene Ziel ist gut nachvollziehbar. Man muss aber festhalten, dass Homeoffice in den Betrieben, wo es umsetzbar ist, oftmals bereits ein Homeoffice-Angebot besteht. Eine gesetzliche Verpflichtung halte ich in der derzeitigen Situation, insbesondere im Hinblick auf kleine und mittlere Unternehmen, für keine Goldlösung. Unternehmer sind schon aus Eigeninteresse und zusätzlich, auf Grund der Vorgaben des Infektionsschutzgesetzes daran interessiert, ihre Belegschaft vor Ansteckung zu schützen. Die Androhung von staatlichen Kontrollen wirkt auf unsere Mitglieder eher befremdlich, wenn seitens des BMWi noch nicht einmal die versprochenen finanziellen Hilfen auf den Konten ankommen."

Homeoffice-Plätze sind eine Investition

Frau Friedrich hat mit ihrer Kritik einen Nerv getroffen. Viele IMW-Mitgliedsunternehmen sehen sich in dieser ohnehin sehr kritischen Phase der Pandemie zu Unrecht an den Pranger gestellt und durch die neue Richtlinie zusätzlich gegängelt. Vor allem KMU sind mit der Organisation und Umsetzung von Homeoffice-Lösungen vielfach überfordert. Bei aller Bereitschaft und Einsicht in die Notwendigkeit weiterer Maßnahmen zur Verringerung von Kontakten verfügen Kleinst- und Kleinunternehmer nach einem Jahr Pandemie längst nicht mehr über die notwendigen Rücklagen, um beispielsweise zusätzliche Laptops anzuschaffen. Erschwerend kommen Lieferengpässe hinzu. In kleinen Betrieben beschneidet die Arbeit von zu Hause zudem schnell die Flexibilität Kundenwünschen gegenüber. Nicht zuletzt sind Buchhaltung und Büro geschweige denn andere Firmenbereiche nur bei einem Bruchteil der Firmen voll digitalisiert. Weiterer Knackpunkt: die unzureichende Breitbandversorgung vielerorts.

Mit einem normal gesicherten Laptop ist es nicht getan

Auch auf Seiten von Datenschützern und IT-Fachleuten wird das Homeoffice in mancher Hinsicht als problematisch beurteilt. Gilbert Lintner ist langjähriges IMW-Mitglied und Geschäftsführer eines Münchner Dienstleistungsunternehmens für betriebliche IT-Lösungen. Die NIUN Veritatis GmbH kann sich derzeit über hohe Auslastung freuen, denn viele Unternehmen suchen in Sachen Home-Office die Expertise von Fachleuten. "Unsere Kunden haben in den vergangenen Monaten die Erfahrung machen müssen, dass es bei der Einrichtung von Homeoffice-Plätzen nicht mit einem normal gesicherten Computer getan ist. Eine kluge Erkenntnis, denn betriebliche und personenbezogene Daten müssen umfassend gesichert sein. Die Gier nach Daten wird fahrlässig unterschätzt!"
Für große Unternehmen mit eigenen IT-Abteilungen sind Viren- und Datenschutz kein großes Problem. Entsprechend verbreitet ist dort das Homeoffice. Kleine Betriebe benötigen jedoch Beratung.

Gute IT-Lösungen schon für wenig Geld

IT-Experte Lintner warnt vor mangelnder Sensibilität gegenüber der Datensicherheit und findet die aktuelle Verpflichtung zum Homeoffice durch die Bundesregierung zu kurz gedacht. Zugleich verweist er auf verschiedene Möglichkeiten, um schon für unter 100 Euro eine Art Basis-Datenschutz für KMU zu gewährleisten. Für die Beratung bedarf es zwar eines Fachmanns, aber die Installation der entsprechenden Hard- und Software geht schnell, die Kosten sind also überschaubar. Staatliche Föderprogramme können bei der Realisierung weiterer Digitalisierungsschritte große Hilfe leisten. 

Gilbert Lintner verweist noch auf einen weiteren wichtigen Aspekt: "Die beste IT nutzt nichts, wenn das Internet zu langsam ist. Ein Tischlereibetrieb muss Bauskizzen problemlos verschicken können. Da sich Deutschland im Breitbandausbau im internationalen Vergleich noch auf Steinzeit-Niveau befindet, können Homeoffice-Arbeitsplätze auch an diesem Faktor scheitern."  

Homeoffice eignet sich nur als ergänzende Maßnahme

IMW-Vorstand Susan Friedrich fände es vor diesem Hintergrund sinnvoller, wenn vor dem Dauerruf nach Homeoffice alle anderen Maßnahmen zur Pandemie-Bekämpfung konsequent ausgeschöpft würden. Auch um die Familien und Schulkinder zu entlasten, die seit Monaten unter der Beanspruchung durch das Home-Schooling leiden. Als Beispiele nennt sie strenge Kontrollen der Maskenpflicht in öffentlichen Verkehrsmitteln und Räumen, die flächendeckende Versorgung der Schulen und öffentlichen Einrichtungen mit Luftfiltern bis hin zu einer allgemeinen Ausweitung der Maskenpflicht. Das momentan so unerfreuliche Thema Impfung wäre eine zentrale weitere Maßnahme, die von ihrer Bedeutung über allem steht.

Insgesamt zeigt sich: Es gibt eine Vielzahl von Maßnahmen zur Pandemie-Bekämpfung. Manche davon sind, wie die Diskussion um die Homeoffice-Verpflichtung zeigt, alles andere als unproblematisch. Umso mehr kommt es in den nächsten Monaten auf Solidarität an. Aus Sicht der IMW sind Schulterschluss und Zuversicht deshalb die Leitbegriffe für 2021.

Bitte melden Sie sich bei uns in der Bundesgeschäftsstelle, sollten Sie Fragen oder Anregungen haben: 030-240478710.

Uns interessieren zudem Ihre Erfahrungen in Sachen Homeoffice. Gerne stellen wir Ihren Bericht in unserer Rubrik "IMW Schulterschluss" vor.

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Keine Goldlösung: Homeoffice auf dem Prüfstand
Insgesamt zeigt sich: Es gibt eine Vielzahl von Maßnahmen zur Pandemie-Bekämpfung. Manche davon sind, wie die Diskussion um die Homeoffice-Verpflichtung zeigt, alles andere als unproblematisch. Umso mehr kommt es in den nächsten Monaten auf Solidarität an. Aus Sicht der IMW sind Schulterschluss und Zuversicht deshalb die Leitbegriffe für 2021.

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